Elia Bach geht keineswegs den Bach hinunter!

Abwechslungsreich, kollegial aber selten - so beschreibt Elia seinen Schulalltag.
Neben Trainings, Rennen und Reisen bleibt nicht mehr viel Zeit für die Schule, doch der junge Saanenländer sieht das Gymnasium als Ausgleich zur Skipiste.
Steckbrief:
Mit einem zufriedenen Lächeln, einer etwas zurückhaltenden Begrüssung und einer undefinierbaren Frisur nimmt Elia das Telefon entgegen. Die Atmosphäre ist von Beginn an kollegial, locker und humorvoll. Er wohnt mit seinen Eltern und seinen drei Schwestern im Turbach, einem Tal im Saanenland. Die Skikarriere des jungen Saanenländers ist gewissermassen ein Familienprojekt: «Unterstützt werde ich von meiner Familie in erster Linie finanziell. Papa hilft mir, die Skier zu präparieren, damit ich nicht abends um 22:00 Uhr noch in den Skikeller gehen muss. Mami bucht die Hotels und Unterkünfte, wenn ich ein Rennen habe, sie ist also mehr für das Organisatorische zuständig. Die Geschwister sind auch da, ich weiss, dass sie sich freuen, wenn es gut läuft, oder es schade finden, wenn es nicht gut läuft.» Die schulische Ausbildung geniesst er am Gymnasium in Gstaad.
Sein Schulmotto lautet: «Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es gerade muss.»
Auf die Frage, wie er seine Persönlichkeit in drei Adjektiven beschreiben würde, nennt er: aktiv, lustig und ehrgeizig. Seine Beschreibung deckt sich mit der Beschreibung, die zwei Klassenkameradinnen zu ihm gegeben haben. Weitere Adjektive, die fallen, sind ehrlich, schnell, clever und nett.
Der Leistungssport:
«Ich stand mit etwa zwei Jahren das erste Mal auf den Skiern. Es waren jedoch Plastikskier, mit denen ich im Garten gefahren bin.» So richtig angefangen habe es aber erst, als er in der vierten Klasse den Übertritt in das regionale Leistungszentrum (RLZ) geschafft habe. Eine Erinnerung daran, dass Elia schon früh Profisportler werden wollte, hat er nicht.
«Klar, wenn man in einem Kader ist, will man schon Profi werden, aber das war nie wirklich der Grund, warum ich Ski fahre. Die Freude am Skifahren war immer der grösste Antrieb und nicht, dass ich schneller als andere sein möchte.»
Trainiert wird er grösstenteils von seinem Vater Johann Jakob Bach, manchmal auch von Hans Erni. Die Trainingsorte variieren je nach Jahreszeit; im Sommer finden die Trainings in Saas-Fee statt, im Winter am Wasserengrat oder an der «Huble» im Saanenland. Momentan ist Elia im Schweizerischen akademischen Skiklub, abgekürzt «SAS», was vergleichbar ist mit dem BOSV, jedoch mehr abdeckt. Das «SAS» bietet nebst dem Leistungssport auch Angebote für Freizeitsportler: innen in Form von Skitouren-Wochen, ein Pentathlon mit Wintersport und mehr an. Voraussetzung des «SAS» ist es, dass man an Hochschule oder in einem Gymnasium ist. Athleten, die bereits im Spitzensport Fuss gefasst haben und Mitglieder des «SAS» sind, wären Marc Rochat und Tanguy Nef.
Im Winter verbringt Elia um die zwanzig Stunden pro Woche im Training oder Kraftraum. In der Saison sei es demnach schwierig, noch etwas anderes nebst dem Skifahren zu machen. Im Sommer habe er mehr Zeit, etwa zum Fahrradfahren. Jedoch könnte «Sport allgemein als mein Hobby bezeichnet werden. Somit kann ich gut neben dem Skifahren noch mein anderes Hobby ausüben. Und Gamen geht im Sommer und im Winter!» Das Gamen helfe ihm, die Schule und den Skisport etwas zu vergessen und abzuschalten. Als Ausgleich zur Schule und als Regenerationsoase nennt Elia das Skifahren. Was Elia ausserdem hilft, Stress zu reduzieren und die schnelle Dopaminausschüttung auszugleichen, sei das Handy.
Vor dem Start eines Rennens hat Elia ein festes Ritual: zuerst geht er in die Ski, dann schliesst er die Skischuhe.
«Anschliessend sage ich mir die Sätze, die wir im Mentaltraining erarbeitet haben. Danach stosse ich mich mit den Stöcken hoch, mache eine Art motorische Übung. Wenn ich vor das Starttor stehen kann, schaue ich mir das Panorama an, dann die ersten paar Tore und gehe diese noch einmal durch. Als letztes fokussiere ich mich auf das erste Tor warte, bis die Zeitmessung von fünf rückwärts zählt. Ich starte meistens bei vier oder drei Sekunden, verlasse das Starthaus also relativ früh.»
Die Nervosität, die Elia vor einem Rennen hat, legt sich bereits nach den ersten Toren, von da an kann er sich vollkommen auf sein Skifahren konzentrieren. Eine gewisse Spannung vor einem Rennen ist nichts Schlechtes, manchen Athlet:innen hilft es sogar, sich zu pushen. Trotz anstrengenden Tagen auf der Piste, in der Schule und nach einer zufriedenstellenden Saison, blickt Elia zuversichtlich in die Zukunft.
Das Schulsystem für Leistungssportler:innen nimmt Elia als positiv und unterstützend wahr. Besonders rühmte er das zusätzliche Schuljahr, das den Athleten und Athletinnen zur Verfügung steht. Der grösste Profit sieht er im reduzierten Stundenplan, da er dadurch weniger Schulsachen nachzuarbeiten hat. Die Prüfungen, die Elia während seiner Abwesenheit verpasst, werden meist mittwochs nachgeholt. Er trägt die Verantwortung, die Prüfungstermine mit den jeweiligen Lehrpersonen zu vereinbaren. Die Schule bietet für die Prüfungsvorbereitungen einen Nachführunterricht an, den die Leistungssportler:innen beanspruchen dürfen. Die Lehrperson nimmt sich die Zeit, den verpassten Stoff ausführlich zu erklären und offene Fragen zu beantworten. Die Athlet:innen müssen sich jedoch vor dem Nachführunterricht schon etwas mit dem Stoff befassen, damit sie konkrete Fragen stellen können. Somit müssen die Schüler:innen auch ein grosses Stück Eigenleistung einbringen, damit die betroffenen Lehrpersonen ihre Effizienz steigern können
Neben dem Organisieren der Prüfungen muss Elia jeweils freitags zur Mittagszeit angeben, wie sein Plan für die nächste Woche aussieht, wann er an- und abwesend ist. Dies ermöglicht den Lehrpersonen einen genaueren Überblick über die Absenz oder Anwesenheit des Sportlers. Auch unser zweiter Interviewpartner Philipp Grossenbacher, Chemielehrer von Elia, profitiert weitgehend von diesem Kalendersystem. Gerade aufgrund des zusätzlichen Aufwands der Lehrpersonen, der darin besteht, Nachholprüfungen zu erstellen oder Nachführunterricht anzubieten, betont P. Grossenbacher die Organisation im ganzen System der Leistungssportler:innen. Elia sowie sein Lehrer, sehen neben den vielen positiven Aspekten dieses Systems auch Schwachstellen mit Verbesserungspotential.
P. Grossenbacher erwähnte in diesem Zusammenhang eine Verbesserung der Abläufe, sodass das System für die Organisation des Nachführunterrichts einfacher und schneller zu erreichen wäre. Ein Vorschlag seinerseits wäre ein Onlinesystem für die Termine des Nachführunterrichts. Elia hingegen wünscht sich lediglich, dass es möglich wäre, die Proben etwas spontaner verschieben zu können. Auf die Frage, wie er die vielen Trainings, Rennen und die Schule unter einen Hut bringt, antwortete er gelassen:
«Ich bin ein Optimist. Ich mache mir nicht zu viele Gedanken und nehme es, wie es kommt.»
Text und Bilder: Elia Bach






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