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«Alles ist möglich»: Eine Oberländerin greiftauf Bermuda nach dem Gold Cup

vor 5 Tagen
3 Min. Lesezeit

Jungseglerin aus Unterseen Lou Eisenhut zeigt sich vor der internationalen Segelregatta Junior Gold Cup nicht nervös.

Die Tochter des Gleitschirm-Gesamtweltcupsiegers Kari Eisenhut ist aktuell die beste Optimist-Seglerin der Schweiz.

Berner Zeitung/Thuner Tagblatt

Montag, 19. Oktober 2026

Hans Peter Roth

«Alles ist möglich»: Eine Oberländerin greiftauf Bermuda nach dem Gold Cup

Jungseglerin aus Unterseen Lou Eisenhut zeigt sich vor der internationalen Segelregatta Junior Gold Cup nicht nervös.

Die Tochter des Gleitschirm-Gesamtweltcupsiegers Kari Eisenhut ist aktuell die beste Optimist-Seglerin der Schweiz.«Hier auf Bermuda ist es komplett

anders als zu Hause, aber es

gefällt mir!»

Seit letzten Dienstag

ist Jungseglerin Lou Eisenhut

auf den Bermudainseln. «Sie

haben Linksverkehr, die Luft ist

feucht und warm, und das Meer

rund um uns herum ist ebenfalls

sehr warm.»

Egal, wie weit vom Daheim

in Unterseen entfernt – auf dem

Wasser ist die 15-Jährige zu Hause.

Und deshalb ist sie auf die

Bermudas gekommen. Zur Teilnahme

am «Renaissance Junior

Gold Cup» in der Bootsklasse

Optimist.

Ein Optimist ist ein kleines,

2,30 Meter langes Boot mit einem

Segel und einer Person an Bord,

eine sogenannte Einhandjolle.

Sie gilt im Segelsport als klassisches

Einstiegsboot für Kinder

und Jugendliche bis 15 Jahre. So

stieg im Alter von 8 Jahren auch

Lou Eisenhut auf dem Thunersee

ein – und war ab dem ersten

Tag hell begeistert.

Vater ist mit dabei

auf Bermuda

Begleitet auf Bermuda wird Lou

– «ich darf noch nicht allein fliegen

», meint sie verschmitzt – von

ihrem Vater Kari Eisenhut. «Wir

pflegen keine halben Sachen zu

machen», erzählt dieser: «Deshalb

kamen wir schnell zum

Schluss, dass ein gezieltes Training

unter Topseglern unausweichlich

ist, wenn man im Optimisten-

Segelsport vorne dabei

sein will.»

Mit Coach Hene Keller vom

Regatta-Club Oberhofen hatte

Lou den idealen Einstieg in ihre

Passion. Aus den regelmässigen

Mittwochnachmittags-Trainings

wurden bald mehr als

180 intensive Wassertage pro

Jahr, internationale Regatten und

Trainings in ganz Europa inbegriffen.

Höhepunkt in Lous Optimisten-

Laufbahn, die altersbedingt

nun zu Ende geht, waren die

Weltmeisterschaften in Tanger,

Marokko. Die jeweils fünf besten

Segler und Seglerinnen aus

73 Ländern massen sich dort. «So

waren über 350 Optimisten-Boote

am Start», erinnert sich Kari

Eisenhut.

Unvergesslich sei auch das

Team Race in Monaco gewesen.

Und nun, gewissermassen als

goldener Abschluss, der Junior

Gold Cup auf Bermuda. «Dieser

wird bereits zum 20. Mal ausgetragen

», erklärt Lous Vater. «Aus

13 Nationen wird jeweils der beste

oder die beste Optimisten-

Seglerin eingeladen.»

Die Einladung zu dieser Regatta,

wo sich Lou Eisenhut dieses

Wochenende neben den 13 weltbesten

auch mit sieben lokalen

Optimisten-Seglern misst,

hat sie sich als schnellstes Mädchen

an der Schweizer Optimisten-

Meisterschaft verdient. Diese

wurde vom 17. bis zum 20. September

auf dem Luganersee ausgetragen.

«Ich finde es sehr spannend,

diese komplett andere Kultur

und Landschaft erleben zu dürfen

», freut sich die junge Berner

Oberländerin, die das Sportgymnasium

Interlaken besucht und

aus einer durch und durch sportlichen

Familie kommt. «Zum

Trainieren und während der Regatten

sind wir jedoch den ganzen

Tag auf dem Wasser.»

«Ich durfte meinen Sport

zum Beruf mache»

Vater Kari Eisenhut gründete die

Gleitschirm-Flugschule Chill Out

Paragliding in Interlaken und

war Mitinhaber des Schweizer

Gleitschirmherstellers Advance.

«Ich durfte meinen Sport zum

Beruf machen.» Als Gleitschirm-

Europameister und Gesamtweltcupsieger

sowie Kitefoil-Racing-

Weltcupsieger bestritt er viele

Wettkämpfe.

«Nun darf ich meine Erfahrungen

unseren Kindern weitergeben

und sie dabei auf ihrem

Weg begleiten und unterstützen.

» Dies sei ein ausserordentliches

Privileg. «Dabei können

wir auf meine Frau Mirjam zählen

– sie bildet das Zentrum unserer

Familie.»

So reiste die sportliche Familie

immer wieder abenteuerlich

im Camper zu internationalen

Regatten. «Wir lernten, auf

kleinstem Raum bescheiden zusammenzuleben.

» Als ausgebildete

Primarlehrer konnten Kari

und Mirjam Eisenhut ihre Kinder

in diesen intensiven Zeiten

jeweils aus der Schule Unterseen

nehmen und selbst schulisch

begleiten.

Vor dem Junior Gold Cup, den

sie in der Big Bay von Bermuda

unterstützt vom Gstaad Yacht

Club bestreitet, zeigt die 15-Jährige

keine Nervosität. «Ich bin

schon viele Regatten gesegelt

und liebe es, auf dem Wasser

zu sein.»

Eine optimistische Optimisten-

Seglerin für den Sieg? Sie

lacht. «Ich gebe mein Bestes und

denke nicht zu viel ans Gewinnen

oder Verlieren», zeigt sich

Lou Eisenhut professionell: «Alles

ist möglich.»

Lou Eisenhut in voller Fahrt auf ihrem Optimisten. Foto: PD

 
 
 

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